Zu früh gefreut hatte man sich, oder zumindest ich mich, als Anfang der Woche bekannt wurde, dass die erste Filesharing-Klage der Musikindustrie vor einem Schwurgericht verhandelt wird. Denn glaubte man Prozessbeobachtern und fachnahen Medien wollte die amerikanische RIAA eine tatsächliche Verhandlung ihrer Abmahnungen tunlichst vermeiden – dies las man aus vielen verschiedenen defensiven Handlungen heraus.
Und auch der interessierte Beobachter aus Übersee hoffte auf einen gehörigen Dämpfer für die Musikindustrie, traute er einer Jury doch zu, dass sie die Schwächen der Beweisführung seitens der RIAA, die nicht ganz unumstrittene Auslegung der Rechtslage und letztendlich auch die Abstrusität dieser Massenklagen gegen ganz normale Bürger für etwas, das bestimmt eine nicht zu unterschätzende Mehrheit derselben ebenfalls betreibt, erkennt.
Doch wie so oft, kam es anders: Nicht nur wurde die Beklagte bedenkenlos schuldig gesprochen, sondern das Strafmaß wurde zusätzlich noch auf 220.000 Dollar für 24 zum Tausch angebotene Lieder festgesetzt. Das ist zwar noch weit unter dem Höchstmaß, das hätte verhängt werden können, dennoch ist dies für die 30-jährige alleinstehende Mutter nicht einmal eben aus der Portokasse bezahlt. Es riecht förmlich nach Exempel.
Und wieder stirbt ein Fünkchen Hoffnung, dass die Musikindustrie, da sie nicht selbstständig dazu in der Lage scheint, durch äußere Einwirkungen, Misserfolge, etc. endlich einmal dazu genötigt wird, über andere Vertriebs- und Urheberrechtsmodelle nachzudenken.
Wie auch schon mit dem früheren Spot “Evolution” versucht dove erneut im Rahmen der “Initiative für wahre Schönheit” den Zuschauer für die Wa(h)re Schönheit zu sensibilisieren. Nun der “Dove Onslaught” mit dem schönen Fazit “Talk to your daughter before the beauty industry does”:
Die Diversität der heutigen Schönheitsideale, die minütlich auf unzähligen Kanälen verbreitet auf den Zuschauer einprasselt, und die Ermunterung, Menschen schon im Kindesalter von der gleichsam indoktrinierten Nacheiferung fern zu halten, in einem kurzen Clip verpackt – wunderbar gemacht.
Ich hab das hier ja schon immer gesagt. Vielleicht wird jetzt ja die Kultserie endlich einmal weitergedreht. Und eine der dümmsten Entscheidungen der Fernsehgeschichte korrigiert. Und die mittlerweile jahrelangen Bemühungen der Fans werden endlich einmal belohnt. Vielleicht, ja vielleicht klappt das ja jetzt einmal.
Wieder gab es einen tragischen Amoklauf in einer Schule, dieses Mal im westfälischen Emsdetten. 36 Verletzte, davon drei schwer. Ein Täter hatte mit mehreren Waffen und einigen Rohrbomben bewaffnet die Geschwister-Scholl-Schule betreten und wahllos um sich geschossen.
Kaum jedoch sind die Schüsse verhallt, war man auf politischer Seite sofort wieder dabei, die üblichen Phrasen von Killerspiel-Verboten zu dreschen. Denn, so stellte sich schnell heraus, der Amokläufer spielte Doom 3 und bastelte Karten in Half-Life.
“Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit sogenannten Killerspielen beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln” gibt CDU-Fraktionsvize Bosbach zum besten, Brandenburgs Innenminister Schönbohm meint: “Killerspiele leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten. Deshalb muss konsequent gegen Spiele vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen.” Und Edmund Stoiber ist sich sicher: “Nach dem verheerenden Amoklauf von Emsdetten darf es keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben. Killerspiele gehören in Deutschland verboten. Sie animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.”
Zur schnellstmöglichen Beruhigung nach dem Amoklauf gibt man vor, die Ursache schon längst ausfindig gemacht zu haben und die Tilgung derselben nun endlich zu forcieren. Dass man dabei völlig aus der Luft gegriffene Behauptungen aufstellt und als Wahrheiten propagiert, ist anscheinend völlig egal. Gleichzeitig diskreditiert man aber auch jene Millionen (!) Menschen, die ebenfalls “Killerspiele” spielen. Ja, es ist richtig, dass der Amokläufer sich an Vorbildern aus Hollywood-Filmen und Computerspielen orientiert hat, jedoch verdeutlicht der Psychologe und Traumaforscher Christian Lüdke: “Diese Täter suchen sich diese Spiele aus, weil sie sehr gut zu ihren inneren Fantasien und Erlebniswelten passen. Die Spiele an sich sind nicht gefährlich.”
Für ein Verbot zumindest der Verbreitung derartiger Spiele starten CSU-Chef Stoiber auf Bundesebene und Niedersachsens Innenminister Schünemann auf Landesebene nun Initiativen. Schünemann will auch die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle abschaffen: “Hier muss es ein völlig neues Überprüfungsgremium geben, das allein in staatlicher Hand liegt”. Zu der Verbreitung via Internet äußerte sich Schönbohm: “Es muss durch geeignete technische Filter verhindert werden, dass Jugendliche Zugang zu diesen Spielen erhalten. Auf diesem Feld sind vor allem die Provider gefordert.” Zieht man das völlige Fehlen wissenschaftlich erwiesener und empirischer Begründungen für solch ein Vorgehen hinzu, kann man staatliche Zensur gar nicht besser definieren.
Es hat sich nichts geändert, in den Jahren, in denen diese Debatte nun schon geführt wird. Die Politik wettert polemisierend gegen “Killerspiele”, ohne zahlreiche wissenschaftliche fundierte Meinungen und Erkenntnisse auch nur zur Kenntnis nehmen zu wollen, und ohne einen Dialog mit wirklich “betroffenen” Menschen zu suchen, den Spielern allüberall. Dass es aber auch viele andere Faktoren in solch eine Tat mit einwirken können, wird in der ganzen Diskussion wieder unterschlagen. Wieder scheut man sich davor, die Fehler in einem mangelhaft funktionierenden Schulsystem zu suchen, das seine Schüler lieber als anonyme Leistungserbringende sieht anstatt für eine ausreichende Betreuung, z. B. durch Psychologen, zu sorgen und dem “Frust im Schulalltag” vorzubeugen. Oder in einem zu lockeren Waffengesetz. Oder, oder, oder. Fakt ist, dass sich auch der Amokläufer von Emsdetten ausgegrenzt fühlte, Probleme in der Schule hatte und wahrscheinlich viel zu leicht an die benutzten Waffen kam.
Ich selbst, auch “Killerspiel-Spieler”, möchte nicht mit dem Finger auf anderen zeigen, in der Debatte um die Diskussion der Ursachen solch grauenhafter Taten. Ich plädiere lediglich für eine Debatte, die ihre Fühler nach Ursachen in alle Richtungen ausstreckt. Und die mir als mündigem Bürger nicht in so starkem Maße (und auch noch unbegründet) vorzuschreiben meint, was gut oder schlecht für mich ist.
Telepolis: Der vollständige Abschiedsbrief des Amokläufers, im Internet hinterlassen, mittlerweile aber wohl von der Polizei entfernt (ich habe noch keine Quelle dafür gefunden, nur Andeutungen).
Widerwillig öffnet man den Briefkasten, warten in ihn doch in den meisten Fällen nur Werbungen, einzuhaltende Fristen und Rechnungen. Arbeit eben. Umso überraschter trifft es einen, wenn einem in dem Haufen Papier eine in grellen Farben leuchtende Karte praktisch direkt anspringt. Da lachen fremde Gesichter, man sieht die traumhaftesten Strände und Sonnenuntergänge, architektonische Meisterwerke, Kirchen, Ruinen - ein Kontrabild des tristen Alltags. Und innerlich baut sich eine Freude, eine Spannung auf, welche Menschen da so unerwartet in der fernen Welt an einen gedacht haben.
Genau so ging es mir auch einen Morgen vor einigen Tagen. Als ich diese Karte bekam:
Doch ein zweiter Blick und das hastige, freudige schnelle Lesen der Karten ließen die Freude, den Lichtblick schnell in ein Gefühl der Enttäuschung umschlagen. Doch man lese selbst:
Da hat die liebe Volksbank doch tatsächlich Werbung für einen Kredit in eine Urlaubspostkarte verpackt. Na danke. Originell, ja. Aber mich so auf den Arm zu nehmen und eine Werbung so subtil unterzubringen, ist mies. Nicht mit mir.
Wenn ich Werbung erhalte, dann möchte ich das bewusst tun. Ich möchte klar gekennzeichnete Werbung sehen, mit der ich mich befassen kann, wenn ich die Zeit und Lust dazu habe. Ich möchte nicht unterbewusst beeinflusst werden, dieses oder jenes Produkt zu kaufen, oder jenen Trend gut oder schlecht zu finden. Dennoch ist das der Trend, den die Werbung aktuell geht. Damit wir in zehn Jahren wie hypnotisiert die Wohnungstür vom Einkaufen kommend zuschlagen, die Tüten abstellen und uns wundern, was zum Henker wir mit der zwanzigsten Parfumflasche und dem dritten Pelzmantel diesen Monat anfangen sollen ...
Nur ganz kurz: Dove hat eine Kampagne für wahre Schönheit initiiert, und dort ein Video “Evolution” herausgebracht, ein Kurzfilm, der “die Illusionen hinter der Schönheit, die wir jeden Tag in den Medien sehen”, enthüllt. Sehr sehenswert.